Prozessautomatisierung im Mittelstand: So starten Sie mit KI.
Welche Abläufe sich lohnen, wann Regeln genügen und wann KI gebraucht wird, wie ein Pilot mit echten Daten aussieht und wie Sie Nutzen, Betriebsrat und Förderung von Anfang an mitdenken.
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Prozessautomatisierung mit KI heißt: Software übernimmt wiederkehrende Abläufe, auch solche mit E-Mails, PDFs oder Freitext, an denen feste Regeln scheitern. Im Mittelstand beginnen Sie mit einem einzigen häufigen Prozess. Sie nehmen ihn auf, bewerten ihn und testen ihn mit echten Daten. Die KI bereitet vor, ein Mensch gibt frei, ausgerollt wird erst bei messbarem Nutzen.
Prozesse automatisieren, ohne Großprojekt
In fast jedem mittelständischen Betrieb gibt es Abläufe, die jeden Tag gleich beginnen: Eine Rechnung kommt per E-Mail, eine Anfrage über das Kontaktformular, ein Lieferschein als PDF. Jemand liest, tippt ab, prüft, legt ab und gibt weiter. Diese Arbeit ist nötig, aber sie bindet genau die Leute, die Sie für Kunden, Projekte und Entscheidungen brauchen.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie solche Abläufe Schritt für Schritt automatisieren. Er erklärt die Begriffe, hilft bei der Auswahl des ersten Prozesses, gibt einen Überblick über typische Einsatzfelder in acht Abteilungen und beschreibt den Weg vom ersten Gespräch bis zum laufenden Betrieb. Dazu kommen eine offengelegte Beispielrechnung, die häufigsten Fehler sowie Hinweise zu Betriebsrat und Förderung.
Was ist Prozessautomatisierung und was ist Prozessoptimierung?
Prozessautomatisierung bedeutet, dass Software einzelne Schritte oder einen ganzen Ablauf ohne manuelles Zutun ausführt. Prozessoptimierung bedeutet, den Ablauf selbst besser zu machen: überflüssige Schritte streichen, Zuständigkeiten klären, Medienbrüche beseitigen. Beides gehört zusammen, aber in einer festen Reihenfolge.
Wer einen umständlichen Ablauf automatisiert, bekommt einen schnelleren umständlichen Ablauf. Deshalb steht am Anfang jeder Automatisierung die Frage, ob jeder Schritt überhaupt nötig ist. Oft fallen schon bei der Aufnahme Doppelerfassungen, unnötige Freigaben oder Excel-Listen auf, die niemand mehr braucht. Diese Optimierung kostet wenig und macht die spätere Automatisierung einfacher und stabiler.
Mit KI verschiebt sich die Grenze dessen, was sich automatisieren lässt. Klassische Automatisierung braucht saubere, strukturierte Eingaben: ein Feld in einer Datenbank, eine Zeile in einer Tabelle. Viele Abläufe im Mittelstand beginnen aber mit unstrukturierten Informationen, also mit E-Mails, eingescannten Belegen, Gesprächsnotizen oder Verträgen. Sprachmodelle können solche Inhalte lesen, einordnen und in eine Struktur bringen, mit der die nachfolgenden Systeme arbeiten.
Ein Hinweis zu den Begriffen: KMU und Mittelstand werden oft gleich verwendet, meinen aber nicht dasselbe. Die Europäische Union definiert KMU über Beschäftigtenzahl, Umsatz und Bilanzsumme, Mittelstand beschreibt in Deutschland eher eigentümergeführte Unternehmen. Für die Automatisierung macht das kaum einen Unterschied. Entscheidend ist, dass es keine große IT-Abteilung gibt und jeder Prozess, der automatisiert wird, mit wenig Aufwand stabil laufen muss.
Regelbasiert, RPA oder KI: Was passt wann?
Die kurze Antwort: Feste Regeln genügen, wenn Eingaben strukturiert sind und sich selten ändern. RPA ist eine Brücke für Altsysteme ohne Schnittstelle. KI lohnt sich dort, wo Menschen heute lesen, verstehen und einordnen müssen. In der Praxis werden die drei Ansätze meist kombiniert.
Regelbasierte Workflow-Automatisierung
Ein Workflow-Werkzeug verbindet Systeme über Schnittstellen und arbeitet nach Wenn-dann-Regeln: Wenn im Shop eine Bestellung eingeht, lege den Auftrag im ERP an und schicke eine Bestätigung. Das ist schnell, günstig im Betrieb und gut nachvollziehbar.
- Passt, wenn: Daten strukturiert vorliegen, Regeln eindeutig sind und die beteiligten Systeme Schnittstellen haben.
- Grenzen: Jede Ausnahme muss vorab als Regel beschrieben werden. Eine Rechnung mit ungewohntem Layout oder eine frei formulierte Kundenanfrage fällt durch.
RPA (Robotic Process Automation)
Ein Software-Roboter bedient die Oberfläche eines Programms so, wie es ein Mensch tun würde: Er klickt, kopiert und füllt Felder aus. RPA kommt zum Einsatz, wenn ein Altsystem keine Schnittstelle bietet.
- Passt, wenn: ein bewährter Ablauf in einem System ohne API immer gleich abläuft.
- Grenzen: Ändert sich die Oberfläche, etwa nach einem Update, bricht der Roboter ab. RPA versteht keine Inhalte, sondern wiederholt Bedienschritte. Die Wartung wird oft unterschätzt.
KI-gestützte Automatisierung und KI-Agenten
Ein Sprachmodell liest unstrukturierte Eingaben und trifft eine Einordnung: Welche Art von Anfrage ist das? Welche Bestellung gehört zu dieser Rechnung? Welche Klausel weicht vom Standardvertrag ab? KI-Agenten gehen einen Schritt weiter und arbeiten mehrere Schritte nacheinander ab, rufen dabei Werkzeuge auf und geben das Ergebnis an den nächsten Schritt weiter.
- Passt, wenn: Menschen heute Texte, Belege oder Nachrichten lesen und interpretieren müssen, bevor sie handeln.
- Grenzen: KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Gewissheiten. Ergebnisse brauchen Leitplanken, Plausibilitätsprüfungen und an den entscheidenden Stellen eine menschliche Freigabe. Datenschutz und Betriebsort der Modelle müssen geklärt sein.
Was sich vollständig als Regel beschreiben lässt, automatisieren Sie mit Regeln. KI setzen Sie dort ein, wo heute ein Mensch lesen und verstehen muss. Die Entscheidung mit Tragweite bleibt beim Menschen.
Welche Prozesse eignen sich für die Automatisierung?
Am besten eignen sich Prozesse, die häufig vorkommen, viel Zeit binden, überwiegend nach festen Mustern ablaufen und auf brauchbaren Daten beruhen. Ob ein Prozess dazugehört, lässt sich mit sechs Kriterien prüfen. Jedes Kriterium bekommt 0 bis 3 Punkte, die Summe zeigt, wo Sie anfangen sollten.
- Häufigkeit: Wie oft läuft der Prozess? 0 = seltener als monatlich, 1 = monatlich, 2 = wöchentlich, 3 = täglich oder öfter.
- Volumen: Wie viel Arbeitszeit bindet er insgesamt? 0 = kaum spürbar, 1 = einige Stunden im Monat, 2 = mehrere Stunden pro Woche, 3 = ein relevanter Teil einer Stelle oder mehr.
- Regelanteil: Wie viele Fälle laufen nach demselben Muster? 0 = fast jeder Fall ist anders, 1 = etwa die Hälfte, 2 = die meisten, 3 = nahezu alle mit wenigen klaren Ausnahmen.
- Datenlage: Liegen die Eingaben digital und zugänglich vor? 0 = auf Papier oder in Köpfen, 1 = verstreut in Postfächern und Ordnern, 2 = digital, aber uneinheitlich, 3 = digital, vollständig und über Schnittstellen erreichbar.
- Fehlerkosten heute: Was kosten manuelle Fehler? 0 = kaum etwas, 1 = Nacharbeit, 2 = verärgerte Kunden oder verpasste Fristen, 3 = Geld, etwa durch Doppelzahlungen oder verlorene Aufträge.
- Risiko bei Automatisierung (umgekehrt bewertet): Was passiert, wenn die Automatisierung danebenliegt? 0 = rechtliche oder sicherheitskritische Folgen, 1 = spürbarer Schaden nach außen, 2 = interner Mehraufwand, 3 = leicht erkennbar und folgenlos korrigierbar.
Die Auswertung ist bewusst einfach. Ab 13 von 18 Punkten ist der Prozess ein guter Kandidat für einen Pilot. Zwischen 8 und 12 Punkten lohnt es sich meist, zuerst die Datenlage oder den Ablauf selbst zu verbessern. Unter 8 Punkten stellen Sie den Prozess zurück. Ein Risikowert von 0 bedeutet nicht, dass Automatisierung ausgeschlossen ist. Er bedeutet, dass die menschliche Freigabe besonders sorgfältig geplant werden muss.
Ein Beispiel zur Anwendung: Die Erfassung von Eingangsrechnungen erreicht in vielen Betrieben hohe Werte bei Häufigkeit, Volumen und Regelanteil, die Daten kommen meist als PDF per E-Mail. Fehler kosten Geld, etwa durch übersehene Skontofristen. Das Risiko ist beherrschbar, wenn die Zahlung weiter von einem Menschen freigegeben wird. Ein solcher Prozess landet typischerweise oben auf der Liste. Ein jährlich neu verhandelter Rahmenvertrag mit einem Großkunden dagegen läuft selten, folgt keinem Muster und hat hohe Tragweite. Hier unterstützt KI höchstens bei der Vorbereitung.
Wichtig ist, die Bewertung mit den Menschen vorzunehmen, die den Prozess täglich ausführen. Sie kennen die Ausnahmen, die in keiner Prozessbeschreibung stehen, und wissen, welche Schritte sie am meisten aufhalten.
Prozessautomatisierung nach Abteilung: Wo lohnt sie sich?
Automatisierbare Prozesse gibt es in jeder Abteilung, nicht nur in der Buchhaltung. Die folgende Übersicht nennt je Bereich zwei bis drei typische Abläufe, mit denen Unternehmen häufig beginnen. Zu jedem Bereich gibt es einen eigenen Deep Dive mit Ablauf, Rollen der KI-Agenten und Datenschutzfragen. Die Links finden Sie direkt unter diesem Leitfaden.
- Vertrieb: eingehende Anfragen qualifizieren und priorisieren, CRM-Daten nach Gesprächen und E-Mails aktuell halten, Angebotsentwürfe auf Basis früherer Angebote vorbereiten.
- Marketing: aus einem Thema Entwürfe für Blog, Newsletter und Social Media ableiten, Veröffentlichungen planen, Kampagnenkennzahlen regelmäßig zusammenfassen.
- Finance und Buchhaltung: Eingangsrechnungen erfassen und Kontierungen vorschlagen, Rechnung, Bestellung und Lieferschein abgleichen, Abweichungen zur Prüfung vorlegen.
- HR und Personalwesen: Bewerbungseingang bestätigen und Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen, Onboarding-Checklisten über alle Abteilungen anstoßen, Fristen und Urlaubsanträge im Blick behalten. Die Auswahl von Bewerbenden bleibt beim Menschen.
- IT: Support-Anfragen vorsortieren und Standardfälle beantworten, Auffälligkeiten im Monitoring erkennen und Tickets anlegen, Zugänge beim Ein- und Austritt von Mitarbeitenden vorbereiten.
- Projektmanagement: Statusberichte aus Aufgaben und Zeiten erstellen, Termin- und Budgetrisiken früh melden, Kapazitäten über Projekte hinweg planen.
- Recht und Verträge: Verträge auf Abweichungen vom eigenen Standard prüfen, Kündigungs- und Verlängerungsfristen überwachen, Geheimhaltungsvereinbarungen aus Vorlagen erstellen. Die Ergebnisse sind Entscheidungsvorlagen und ersetzen keine Rechtsberatung.
- Markt und Wettbewerb: Wettbewerber und Branchenquellen beobachten, Marktberichte mit Quellenangaben zusammenstellen, Trends nach Relevanz für das eigene Geschäft einordnen.
Besonders wirksam wird Automatisierung an den Übergängen zwischen Abteilungen. Ein gewonnenes Angebot im Vertrieb löst ein Projekt aus, das Projekt braucht Personal, am Ende steht eine Rechnung. Genau an diesen Stellen gehen heute Informationen verloren oder werden doppelt erfasst. Trotzdem gilt für den Start: ein Prozess in einer Abteilung, nicht die ganze Kette auf einmal.
Wir schauen im kostenlosen Erstgespräch gemeinsam darauf, was davon für Sie zählt.
In 5 Schritten zum ersten automatisierten Prozess
Der erste automatisierte Prozess entsteht in fünf Schritten: aufnehmen, bewerten, mit echten Daten pilotieren, menschliche Freigabe festlegen, ausrollen und messen. Jeder Schritt hat ein klares Ergebnis, bevor der nächste beginnt.
- Prozess aufnehmen: Beschreiben Sie den Ablauf so, wie er tatsächlich läuft, nicht so, wie er im Handbuch steht. Wer startet ihn, welche Eingaben kommen an, welche Systeme sind beteiligt, wie viele Fälle gibt es pro Woche, wie lange dauert einer, welche Ausnahmen treten auf? Ergebnis ist eine einseitige Prozessskizze mit Mengen und Zeiten.
- Bewerten und Ziel festlegen: Bewerten Sie den Prozess mit der Matrix oben und legen Sie eine Messgröße fest, etwa Bearbeitungszeit pro Fall, Durchlaufzeit oder Fehlerquote. Messen Sie den heutigen Wert, bevor sich etwas ändert. Ohne diesen Ausgangswert lässt sich der Nutzen später nicht belegen.
- Pilot mit echten Daten: Bauen Sie die Automatisierung für genau diesen einen Prozess und testen Sie sie mit echten Fällen aus dem Alltag, nicht mit geschönten Beispielen. Bewährt hat sich ein Parallelbetrieb: Die Automatisierung arbeitet mit, das Team arbeitet wie gewohnt, und beide Ergebnisse werden verglichen. So werden Ausnahmen sichtbar, bevor sie Schaden anrichten.
- Freigabe durch Menschen festlegen: Bestimmen Sie, an welcher Stelle ein Mensch prüft und freigibt (Human in the Loop). Das kann jeder Fall sein oder nur jene, bei denen die KI unsicher ist, ein Betrag eine Schwelle überschreitet oder ein Kunde besonders wichtig ist. Jede Freigabe wird protokolliert, die Verantwortung bleibt eindeutig bei Ihrem Team.
- Ausrollen und messen: Erst wenn der Pilot den Ausgangswert erkennbar verbessert, geht der Prozess in den Regelbetrieb. Dazu gehören eine kurze Schulung, eine benannte Zuständigkeit für den laufenden Betrieb und ein fester Termin, an dem Sie die Messgröße erneut prüfen. Danach wählen Sie den nächsten Prozess aus Ihrer Liste.
Wie lange das dauert, hängt vor allem von der Datenlage und der Zahl der beteiligten Systeme ab. Ein klar abgegrenzter Prozess mit digitalen Eingaben ist deutlich schneller umgesetzt als einer, für den erst Schnittstellen zu mehreren Altsystemen geschaffen werden müssen.
Was kostet Prozessautomatisierung und rechnet sie sich?
Die Kosten hängen vom Prozess ab und lassen sich erst nach der Aufnahme seriös einschätzen. Ob sich die Automatisierung rechnet, beantwortet eine einfache Gegenüberstellung: gewonnene Arbeitszeit und vermiedene Fehler auf der einen Seite, einmaliger Aufwand und laufende Kosten auf der anderen.
Zum einmaligen Aufwand gehören Prozessaufnahme, Einrichtung, Anbindung an Ihre Systeme, Pilotbetrieb und Schulung. Laufend kommen Lizenzen, Betrieb, die Nutzung der KI-Modelle sowie Wartung und Anpassungen hinzu. Kostentreiber sind vor allem die Zahl der Schnittstellen, die Qualität der Daten, die Menge der Ausnahmen und die Frage, ob die KI in einer Cloud oder auf eigener Hardware läuft.
Annahmen: 300 Eingangsrechnungen pro Monat. Manuelle Bearbeitung (erfassen, kontieren, mit der Bestellung abgleichen) 6 Minuten pro Rechnung. Nach der Automatisierung bleiben 2 Minuten für Prüfung und Freigabe. Interner Stundensatz einschließlich Nebenkosten 45 Euro. Rechnung: 4 Minuten Ersparnis mal 300 Rechnungen ergibt 1.200 Minuten, also 20 Stunden pro Monat oder 240 Stunden pro Jahr. Bewertet mit 45 Euro entspricht das einem Zeitwert von 10.800 Euro pro Jahr. Bei nur 100 Rechnungen im Monat wären es 80 Stunden und 3.600 Euro pro Jahr.
Von diesem Zeitwert ziehen Sie die laufenden Kosten ab. Teilen Sie den einmaligen Aufwand durch den verbleibenden Betrag, erhalten Sie die Amortisationszeit in Jahren. Die Beispielrechnung zeigt vor allem eines: Das Volumen entscheidet. Derselbe Prozess kann sich bei 300 Fällen im Monat schnell rechnen und bei 100 Fällen kaum.
Nicht in der Rechnung enthalten sind Effekte, die schwerer zu beziffern, aber oft wichtiger sind: genutzte Skontofristen, kürzere Antwortzeiten gegenüber Kunden, weniger Rückfragen und Fachkräfte, die ihre Zeit wieder für anspruchsvolle Aufgaben haben. Nehmen Sie solche Effekte nur dann in die Rechnung auf, wenn Sie sie messen können.
Wenn Sie die Rechnung mit Ihren eigenen Zahlen durchspielen möchten, nutzen Sie den ROI-Rechner auf unserer Seite zur KI-Automatisierung. Er arbeitet mit denselben Grundgrößen: Fallzahl, Zeit pro Fall und Stundensatz.
Welche Fehler sollten Sie vermeiden?
Die meisten Automatisierungsprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an Auswahl, Vorbereitung und Einbindung. Diese Fehler begegnen uns am häufigsten:
- Mit dem Werkzeug statt mit dem Prozess beginnen: Ein Tool wird gekauft und anschließend nach einem Einsatzzweck gesucht.
- Einen schlechten Ablauf automatisieren: Überflüssige Schritte laufen danach schneller, bleiben aber überflüssig.
- Zu groß anfangen: Eine ganze Abteilung oder Prozesskette auf einmal statt eines klar abgegrenzten Ablaufs.
- Keinen Ausgangswert messen: Ohne Vorher-Wert gibt es später keine belastbare Aussage über den Nutzen.
- Mit Testdaten pilotieren: Saubere Beispieldaten verbergen genau die Ausnahmen, an denen der Betrieb später scheitert.
- Vollautomatik erwarten: Ein Teil der Fälle braucht immer einen Menschen. Ein guter Prozess erkennt diese Fälle und leitet sie weiter.
- Die Betroffenen spät einbinden: Wer erst bei der Einführung erfährt, dass sich seine Arbeit ändert, sucht nach Gründen, warum es nicht funktioniert.
- Datenschutz und Betriebsrat nachträglich klären: Das kostet Zeit und führt im ungünstigsten Fall zu einem Neustart.
- Niemanden für den Betrieb benennen: Automatisierungen brauchen Pflege, wenn sich Systeme, Lieferanten oder Regeln ändern.
Wie nehmen Sie Mitarbeitende und Betriebsrat mit?
Sie nehmen Mitarbeitende mit, indem Sie sie von Anfang an beteiligen und klar sagen, was sich ändert: Die KI übernimmt Vorarbeit, die Entscheidung und Freigabe bleibt bei den Menschen. Wer den Prozess heute ausführt, gehört schon zur Aufnahme und Bewertung dazu. Diese Menschen kennen die Ausnahmen und werden später zu denen, die die Automatisierung im Alltag tragen.
Gibt es einen Betriebsrat, binden Sie ihn früh ein. Nach § 90 BetrVG ist er über die Planung neuer technischer Anlagen und Arbeitsverfahren, ausdrücklich auch beim Einsatz von KI, rechtzeitig zu unterrichten. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bestimmt er mit, wenn eine technische Einrichtung geeignet ist, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Dafür genügt schon die Eignung, eine Absicht ist nicht nötig. Viele Automatisierungen fallen darunter, weil sie protokollieren, wer wann was bearbeitet hat.
Bewährt hat sich, technische Leitplanken mit dem Betriebsrat gemeinsam festzulegen: welche Daten verarbeitet werden, wer welche Auswertungen sehen darf, dass keine Leistungsauswertung einzelner Personen stattfindet. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Deep Dive zu KI und dem Betriebsrat. Für den Wandel im Team insgesamt bieten wir Change Management für KI-Projekte an.
Zwei rechtliche Rahmen gelten zusätzlich. Die DSGVO verlangt eine Rechtsgrundlage für jede Verarbeitung personenbezogener Daten und bei externen Dienstleistern einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Die europäische KI-Verordnung (AI Act) verpflichtet Unternehmen, die KI einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu sorgen. KI-Systeme, die über Einstellung oder Beförderung mitentscheiden, gelten dort als Hochrisiko-Systeme mit deutlich strengeren Pflichten.
Welche Förderung gibt es für Prozessautomatisierung?
Für Beratung und Digitalisierung im Mittelstand gibt es Förderprogramme von Bund und Ländern, deren Bedingungen sich regelmäßig ändern. Prüfen Sie deshalb vor jedem Projekt den aktuellen Stand beim jeweiligen Träger. Eine Übersicht mit Quellen finden Sie auf unserer Seite zu den Förderprogrammen Digitalisierung 2026.
Für die Beratungsphase ist die BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen für KMU relevant. ProzessX ist beim BAFA als Beratungsunternehmen gelistet. Damit kann unsere Beratung bezuschusst werden, wenn Ihr Unternehmen die Voraussetzungen erfüllt. Wichtig ist die Reihenfolge: Der Antrag muss gestellt sein, bevor der Beratungsvertrag unterschrieben wird. Wie wir dabei unterstützen, beschreibt unsere Förderberatung.
Fazit: Klein anfangen, sauber messen, dann ausbauen
Prozessautomatisierung im Mittelstand ist kein Großprojekt, wenn Sie sie nicht dazu machen. Der Weg führt über einen einzigen, gut gewählten Prozess, einen ehrlichen Ausgangswert und einen Pilot mit echten Daten. Feste Regeln übernehmen, was sich als Regel beschreiben lässt. KI übernimmt das Lesen und Einordnen. Ihre Mitarbeitenden behalten die Entscheidung. Wenn der erste Prozess nachweislich trägt, ist der zweite deutlich einfacher, weil Daten, Schnittstellen und Erfahrung schon da sind.

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Leitfaden als PDF, 9 Seiten. Tragen Sie Ihre Angaben ein, danach starten Sie den Download direkt hier.
Prozessautomatisierung in acht Fachbereichen
KI im Vertrieb
Anfragen qualifizieren, CRM aktuell halten, Angebotsentwürfe vorbereiten.
Vertrieb mit KI automatisieren →KI im Marketing
Inhalte aus einem Thema ableiten, Beiträge planen, Kampagnen auswerten.
Marketing-Automatisierung mit KI →KI in der Buchhaltung
Belege erfassen, Kontierung vorschlagen, Rechnung und Bestellung abgleichen.
Buchhaltung mit KI-Agenten →KI im Personalwesen
Bewerbungseingang, Onboarding über alle Abteilungen, Fristen und Urlaub.
HR-Automatisierung mit KI →KI in der IT
Support-Anfragen vorsortieren, Auffälligkeiten erkennen, Zugänge vorbereiten.
IT-Automatisierung mit KI-Agenten →KI im Projektmanagement
Statusberichte erstellen, Risiken früh melden, Kapazitäten planen.
Projektmanagement mit KI →KI im Vertragsmanagement
Verträge auf Abweichungen prüfen, Fristen überwachen, NDAs aus Vorlagen.
Vertragsmanagement und Compliance mit KI →KI in der Marktanalyse
Wettbewerb beobachten, Marktberichte mit Quellen, Trends einordnen.
Marktforschung mit KI →Rechnen, einbinden, fördern lassen
ROI-Rechner
Spielen Sie die Beispielrechnung mit Ihren eigenen Fallzahlen, Zeiten und Stundensätzen durch.
Zum ROI-Rechner →KI und der Betriebsrat
Mitbestimmung, Datenschutz und technische Leitplanken, mit Beispielszenarien aus der Praxis.
KI mit dem Betriebsrat einführen →Change Management
Wie Teams Automatisierung annehmen, weil sie von Anfang an beteiligt sind.
Change Management für KI-Projekte →Förderung
Programme von Bund und Ländern im Überblick und unsere Förderberatung als BAFA-gelistetes Beratungsunternehmen.
Förderprogramme Digitalisierung 2026 →Bevor Sie anfragen
Was ist der Unterschied zwischen Prozessautomatisierung und KI-Automatisierung?
Prozessautomatisierung ist der Oberbegriff: Software führt Schritte eines Ablaufs aus. KI-Automatisierung ist eine Form davon, bei der ein KI-Modell unstrukturierte Eingaben wie E-Mails, Belege oder Verträge liest und einordnet. Klassische Automatisierung arbeitet mit festen Regeln, KI-Automatisierung mit Wahrscheinlichkeiten und braucht deshalb eine menschliche Freigabe an den entscheidenden Stellen.
Mit welchem Prozess sollte ein KMU anfangen?
Mit einem Prozess, der häufig vorkommt, viel Zeit bindet, überwiegend nach demselben Muster abläuft und auf digitalen Daten beruht. Typische Kandidaten sind die Erfassung von Eingangsrechnungen, die Vorsortierung von Kundenanfragen oder das Aktualisieren von CRM-Daten. Die Bewertungsmatrix in diesem Leitfaden hilft bei der Auswahl.
Brauchen wir für Prozessautomatisierung eine eigene IT-Abteilung?
Nein. Für den Start genügen eine Person, die den Prozess gut kennt, und eine Person, die Zugriff auf die beteiligten Systeme hat. Wichtig ist, dass nach dem Rollout jemand für den laufenden Betrieb zuständig ist, auch wenn die technische Betreuung ein externer Partner übernimmt.
Ist RPA heute noch sinnvoll?
RPA ist sinnvoll, wenn ein Altsystem keine Schnittstelle bietet und ein Ablauf darin immer gleich abläuft. Wo Schnittstellen vorhanden sind, ist eine direkte Anbindung stabiler. Wo Inhalte gelesen und verstanden werden müssen, ist KI besser geeignet. Oft ergänzen sich die Ansätze in einem Prozess.
Muss der Betriebsrat bei Prozessautomatisierung zustimmen?
Häufig ja. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bestimmt der Betriebsrat mit, wenn eine technische Einrichtung geeignet ist, Verhalten oder Leistung zu überwachen. Das trifft auf viele Systeme zu, die Bearbeitungen protokollieren. Binden Sie ihn deshalb schon bei der Planung ein und legen Sie Leitplanken gemeinsam fest.
Wie schnell rechnet sich eine Automatisierung?
Das hängt vor allem vom Volumen ab. Rechnen Sie die eingesparte Zeit pro Fall mal Fallzahl mal internem Stundensatz und ziehen Sie die laufenden Kosten ab. Teilen Sie den einmaligen Aufwand durch das Ergebnis, erhalten Sie die Amortisationszeit. Eine belastbare Zahl entsteht erst mit dem gemessenen Ausgangswert aus Ihrem eigenen Betrieb.
Welcher Prozess kommt bei Ihnen zuerst?
Lassen Sie uns gemeinsam auf einen Ihrer Abläufe schauen. Im Erstgespräch erhalten Sie eine Einschätzung mit zwei bis drei Ansatzpunkten. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden.

