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Deep Dive : Agentic RAG

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DEEP DIVE: ARCHITEKTUR

Agentic RAG: Vom statischen Suchschlitz zum denkenden System

Lesezeit: 14 Minuten •

Es sollte das ultimative Versprechen der künstlichen Intelligenz für den Mittelstand sein: RAG (Retrieval Augmented Generation). Man nehme ein Large Language Model, verbinde es mit den firmeneigenen PDF-Handbüchern, Datenbanken und SharePoint-Archiven, und erhalte im Gegenzug einen allwissenden Mitarbeiter.

Die Realität in vielen Unternehmen sieht jedoch ernüchternd anders aus. Was oft als „KI-Revolution“ verkauft wurde, entpuppt sich im operativen Alltag als glorifizierte Volltextsuche. Das System holt Daten, fügt sie ein und hofft („prays“), dass das Sprachmodell den Rest erledigt.

Doch ein entscheidender Shift findet gerade statt. Wir bewegen uns weg von reinen Abruf-Systemen hin zu Agentischen Systemen. Es ist der Unterschied zwischen einem Bibliothekar, der Ihnen kommentarlos zehn Bücher auf den Tisch knallt, und einem Analysten, der die Bücher liest, bewertet und Ihnen nur die entscheidende Seite mit einer Handlungsempfehlung vorlegt.

In diesem Deep Dive analysieren wir, warum klassische RAG-Pipelines an komplexen Unternehmensfragen scheitern und wie „Agentic RAG“ durch autonome Planung und Reflexion echte Datensouveränität schafft.

Die Kern-Erkenntnis

„Die meisten RAG-Setups sind heute bloß ‚Copy-Paste‘ mit Zwischenschritten. Wahre Intelligenz entsteht nicht durch das bloße Finden von Dokumenten, sondern durch die Fähigkeit, vor, während und nach der Suche zu entscheiden: Was brauche ich wirklich? Agentic RAG ersetzt den statischen Abruf durch einen dynamischen Denkprozess.“

Warum der Status Quo (Standard RAG) scheitert

Um zu verstehen, warum wir eine neue Architektur benötigen, müssen wir die Limitierungen der aktuellen KI Automatisierungen schonungslos offenlegen. Das klassische „Retrieve-then-Generate“-Verfahren stößt bei komplexen Business-Logiken schnell an seine Grenzen.

1. Der „Blind Fetch“ Fehler

Klassisches RAG sucht nach Stichworten (oder Vektoren), die der Frage ähneln. Fragen Sie: „Wie wirkte sich das neue Steuergesetz auf unseren Q3 Umsatz aus?“, sucht das System stumpf nach Dokumenten mit „Steuergesetz“ und „Q3 Umsatz“. Es versteht nicht, dass es erst das Gesetz analysieren und dann eine Berechnung durchführen muss.

2. Keine Selbstkorrektur

Wenn ein Standard-System die falsche Information abruft, halluziniert es auf Basis dieser falschen Daten weiter. Es gibt keinen internen Monolog, der sagt: „Moment, dieses Dokument widerspricht meiner These, ich muss nochmal suchen.“ Es ist eine Einbahnstraße ohne Wendemöglichkeit.

3. Statische Werkzeuglosigkeit

Standard RAG kann lesen, aber nicht handeln. Es kann Ihnen sagen, was in der Datenbank steht, aber es kann nicht die Datenbankabfrage dynamisch anpassen, wenn das erste Ergebnis leer ist. Es fehlt die „Agency“ – die Handlungsfähigkeit.

Der Paradigmenwechsel

Standard RAG (Status Quo)

Modus: Linear (Input -> Suche -> Output)

Verhalten: Reaktiv. Wartet auf exakte Prompts.

Logik: „Ich suche nach Ähnlichkeiten im Text.“

Ergebnis: Oft generisch, kontextarm, halluzinationsanfällig bei komplexen Fragen.

Agentic RAG (Neue Realität)

Modus: Zyklisch (Planen -> Handeln -> Beobachten -> Korrigieren)

Verhalten: Proaktiv. Zerlegt Probleme in Teilschritte.

Logik: „Welches Werkzeug brauche ich, um diese Frage zu lösen?“

Ergebnis: Präzise, faktenbasiert, fähig zu Berechnungen und Multi-Step-Reasoning.

Tech Deep Dive: Die Architektur der Autonomie

Was genau passiert unter der Haube eines agentischen Systems? Wir verlassen hier das Terrain einfacher Chatbots und betreten den Bereich der fortgeschrittenen KI-Systemarchitektur. Agentic RAG basiert auf Patterns, die dem menschlichen Problemlösungsprozess nachempfunden sind.

Pattern 1: The Reasoning Loop (ReAct)

Anstatt sofort zu antworten, tritt der Agent in eine Schleife aus Reasoning und Acting ein.

Stellen Sie sich vor, ein Vertriebsleiter fragt: „Sollten wir Kunde X basierend auf den aktuellen Lieferengpässen priorisieren?“

  • Gedanke 1: Ich muss zuerst den aktuellen Lagerbestand prüfen. -> Aktion: API Call Inventory System.
  • Beobachtung 1: Lagerbestand für Produkt A ist kritisch niedrig.
  • Gedanke 2: Jetzt muss ich den Customer Lifetime Value (CLV) von Kunde X prüfen. -> Aktion: SQL Query CRM.
  • Beobachtung 2: Kunde X ist Top-10 Kunde.
  • Schlussfolgerung: Trotz Engpass muss priorisiert werden.
Der Agent „denkt“ in Schritten, statt zu raten. Er nutzt Werkzeuge (APIs, Datenbanken), um seine Annahmen zu validieren.
Pattern 2: Reflection & Self-Correction

Das fehlende Puzzlestück in traditionellen Systemen ist die Kritikfähigkeit.

Ein Agentic Workflow beinhaltet oft einen „Critic“-Node. Bevor die Antwort an den Nutzer rausgeht, prüft eine zweite Instanz (oder der Agent selbst): „Habe ich die Frage wirklich beantwortet? Sind meine Quellen aktuell?“. Falls nein, geht der Loop von vorne los. Dies reduziert die Fehlerquote drastisch und ist essenziell für vertrauenswürdige KI Chatbots im Enterprise-Umfeld.

Pattern 3: Dynamic Tool Selection

Statische Pipelines nutzen immer dieselbe Datenbank. Agenten entscheiden dynamisch.

Der Agent analysiert die Anfrage: Ist das eine Frage zum Personalrecht? Dann nutze ich den Vektor-Store „HR-Handbuch“. Ist es eine Frage zu aktuellen Verkaufszahlen? Dann ignoriere ich das Handbuch und nutze das Tool „Live-Dashboard-Access“. Diese semantische Router-Funktion verhindert, dass KI veraltetes Wissen aus Dokumenten nutzt, wenn Live-Daten erforderlich sind.

Implementierungs-Fahrplan: Von RAG zu Agentic

Wie transformieren Sie Ihr bestehendes System oder starten ein neues Projekt mit dieser Architektur? Hier ist der Prozess, den wir bei ProzessX in unseren Beratungsmandaten anwenden.

  1. Audit der Fragestellungen (The „Why“)
    Analysieren Sie die Tickets und Fragen, die Ihre Mitarbeiter tatsächlich haben. Sind es einfache Faktenfragen („Wie lautet die WLAN-ID?“)? Dann reicht Standard RAG. Sind es analytische Fragen („Warum sinkt die Marge?“)? Dann benötigen Sie Agentic Workflows.
  2. Definition der Werkzeuge (The Tools)
    Ein Agent ist nur so schlau wie seine Werkzeuge. Definieren Sie klare Schnittstellen (APIs) zu Ihren ERP-, CRM- oder PIM-Systemen. Geben Sie dem Agenten nicht nur Lese-, sondern kontrollierte Analyserechte.
  3. Orchestration Layer (The Brain)
    Nutzen Sie Frameworks wie LangChain oder LangGraph, um die Logik zu bauen. Definieren Sie den „System Prompt“, der dem Agenten seine Rolle und seine Grenzen (Guardrails) erklärt. Hier wird festgelegt, wann der Agent „Ich weiß es nicht“ sagen muss.
  4. Evaluation & Feedback Loop
    Implementieren Sie „Human-in-the-loop“. In der ersten Phase sollte ein Experte die Gedankengänge (Traces) des Agenten prüfen. Korrigieren Sie die Logik, nicht nur den Output.

ROI & Business Case

Der technologische Aufwand für Agentic RAG ist höher als für Standard-Lösungen. Lohnt sich das Investment? Ein Vergleich der Metriken zeigt die klare Überlegenheit bei komplexen Use-Cases.

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Metrik Standard RAG Agentic RAG
Erfolgsquote (Multi-Hop Fragen) ~ 20-30% > 85%
Halluzinations-Rate Hoch (füllt Lücken kreativ) Niedrig (durch Reflexion)
Daten-Aktualität Abhängig vom letzten Upload Real-Time (via API Tools)
Mitarbeiter-Vertrauen Sinkend (nach Fehlern) Steigend (durch Transparenz)

Ist Ihre Daten-Infrastruktur bereit für Agenten?

Agentic RAG ist kein Plug-and-Play Spielzeug. Es erfordert saubere Datenstrukturen und strategische Planung. Wollen Sie wissen, ob Ihr Unternehmen bereit für den Sprung von der „Suche“ zur „Intelligenz“ ist?

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